DI Romana Fertl ist Lebensmitteltechnologin und war in einem internationalen Konzern für die Qualitätssicherung, das Labor, den Aufbau und die Schulung von Sensorikteams verantwortlich bevor Sie OpenSense gründete. Auch wir haben die Gelegenheit und Ihr Wissen genutzt und unsere Guides wurden von ihr in der Sensorik – dem Wahrnehmen von allen rund um Geschmack, Textur, etc. von Lebensmitteln – trainiert.

Hier finden Sie ganz einfache Geschmackstrainings zur Durchführung zu Hause, die wir hier posten dürfen.
Die spielerischen Übungen sind für Erwachsene und Kinder geeignet, machen Spaß und trainieren ganz einfach die Sinne.

Tauchen Sie mit ihr ein in die Kunst des Genießens …

 

Übung 1: Wie fein schmeckt meine Zunge

Testet euren Geschmackssinn auf Süßempfindlichkeit aus.
Könnt ihr verschiedene Zuckerkonzentrationen leicht unterscheiden?

Ihr braucht dazu 10 Zuckerwürfel (oder Teelöffel Zucker), 4 Gläser und Leitungswasser.
Löst in jeweils ¼ l Leitungswasser 1, 2, 3, oder 4 Zuckerwürfel auf.
Eine zweite Person ordnet nun die 4 Gläser in einer beliebigen Reihenfolge.
Versucht nun die vier Gläser der Süße nach zu reihen (links steht dann das am wenigsten und rechts das am meisten süße).

Wir haben eine angeborene Präferenz für süße Lebensmittel. Das sagt unserem Körper, dass eine leicht verfügbare Energiequelle vorhanden ist (Kohlenhydrate, nahrhaft). Doch ein tägliches Zuviel an Süße, lässt unsere Geschmacksempfindlichkeit abstumpfen.

Ihr findet die letzte Zuckerlösung zu süß?
Nur zum Vergleich. Ein ¼ l Cola enthält ca. 7 Zuckerwürfel (27g). Das ist dann wirklich süß.

Und all jenen, denen diese Übung sehr leicht gefallen ist, können die Zuckermenge halbieren und nochmals versuchen.

 

Übung 2: Die Nase schmeckt mit

Mit dieser Übung möchte ich euch das enge Zusammenspiel von Geruch und Geschmack bewusst machen.

Ihr braucht diesmal nur Vanillezucker.
Haltet euch ganz fest die Nase zu (damit ist eure Geruchswahrnehmung unterbrochen).
Nehmt eine kleine Menge des Vanillezuckers und gebt ihn bei verschlossener Nase auf eure Zunge.
Schmeckt nun ganz bewusst. Ihr erkennt nur den süßen Geschmack.
Nach ca. 5-6 Sekunden öffnet eure Nase und plötzlich strömen die Vanillearomen an eure Riechschleimhaut.
Erst jetzt könnt ihr die Vanille in ihrer ganzen Fülle erkennen und riechen.

Wir sprechen immer vom Geschmack eines Lebensmittels. Genau genommen sind es aber die Gerüche und Aromen die uns vieles schmackhaft machen.
Diese gelangen vom Mund über den Hals-Nasen-Rachenraum an unsere Riechschleimhaut (sozusagen von hinten herum).

Ihr könnt diese Übung auch mit anderen Lebensmittel ausprobieren. Zum Beispiel mit gesalzenen Erdnüssen oder Honig.

Die Weinliebhaber können auch eine Schluck Wein mit verschlossener Nase trinken. Lasst euch überraschen wie euer Lieblingswein dann wirklich schmeckt.

 

Übung 3: Ich schmecke – was du nicht siehst

Ein Geschmackserlebnis dem Partner beschreiben, der mit dem Rücken zu mir sitzt (funktioniert auch per Telefon).

Nimm dir ein beliebiges Lebensmittel (z.B. Apfel, Karotte, Schokolade, Brot, Käse…). Wichtig ist, dass du es magst und der Partner es auch kennt.
Beschreibe nun deinem Gegenüber alle deine sensorischen Eindrücke dieses Lebensmittel beim Essen.
Im ersten Schritt nur was im Mund wahrnehmen wird – Geruch, Geschmack, Aroma, Kaugeräusche, Mundgefühl, Viskosität.
Nach jedem beschriebenen Merkmal soll dein Gegenüber raten, was du isst. Erst dann sagst du das nächste Merkmal.
Im zweiten Schritt kannst du die Äußerlichkeiten beschreiben – Farbe, Form, Textur.
Bei den Beschreibungen darf das Lebensmittel selbst nicht genannt werden.
Anschließend könnt ihr die Rollen tauschen.

Wenn wir Lebensmittel essen passiert dies oft nebenbei. Wir schenken bekannten Nahrungsmitteln wenig Beachtung. Mit dieser Übung trainiert ihr zum einen euer sensorisches Vokabular (indem ihr jede einzelne Wahrnehmung in Worte fasst). Zum anderen entdeckt ihr unzählige Nuancen eines Lebensmittels und werden es in Zukunft viel bewusster und langsamer genießen.

Die Weinliebhaber können ja versuchen einen Wein (z.B. Grüner Veltliner, Blaufränkisch) zu beschreiben. Da wird es schon schwieriger.

 

Übung 4: Sehen wie’s schmeckt

Einfluss der Farbe auf die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung.

Für diese Übung braucht ihr Orangen- oder Apfelsaft, Gläser und verschiedene Lebensmittelfarben (könnt ihr dann gleich zum Ostereier färben verwenden).
Füllt in jedes Glas die gleiche Menge Saft.
Das erste Glas bleibt pur und die weiteren Gläser werden mit jeweils einer Farbe gefärbt (blau, grün, rot).
Am besten ist es, das Farbpulver vorweg in wenig Wasser zu lösen und dann ein paar Tropfen in den Saft zu träufeln und gleichzeitig umzurühren (so könnt ihr selbst die Farbintensität bestimmen).
Nun lasst eure Partner/Kinder die verschiedenen Saftgläser kosten. Die sollen nun beurteilen, um welche Säfte es sich handeln könnte?

Es ist gar nicht so leicht. Nicht nur Zunge und Nase bestimmen was schmeckt, sondern auch der erste Eindruck und unsere Erwartung. Geschmack entsteht nun mal im Kopf. Blauer Saft wird dann an Heidelbeere oder Brombeere erinnern. Der Rote an Johannisbeere oder Himbeere und der Grüne an Kiwi.

Ihr könnt die gefärbten Säfte dann mit verschlossenen Augen nachverkosten. Dann ist es plötzlich ganz eindeutig, dass in jedem Glas das Gleiche drinnen ist.

Die Weinliebhaber können ihrem Partner einen gut bekannten Weißwein z.B. als Rosé färben und zur Verkostung geben. Lasst euch über das Ergebnis überraschen.

 

Übung 5: Der scharfe Blick

diesmal ist es ein Aufmerksamkeitstraining. Seid ihr gute Beobachter?
Spielerisches, genaues Beobachten. Jedes Detail von Lebensmittel wahrnehmen.

Sucht euch für diese Übung ca. 15 verschiedene Lebensmittel zusammen (mit und ohne Verpackung).
Hier nur ein paar Beispiele – Apfel, Müsliriegel, Teebeutel, Walnüsse, Bohnen, Linsen, Packung Vanillezucker… .
Die Produkte werden willkürlich auf dem Tisch ausgebreitet und mit einem Tuch abgedeckt.

Dann nehmt ihr das Tuch weg. Euer Partner hat nun genau 30 Sekunden Zeit sich alle Details einzuprägen (Farbe, Form, Anzahl, Beschriftung usw.). Dann deckt ihr die Lebensmittel wieder ab.

Nun stellst du Fragen zu den Produkten (z.B. wieviele Bohnen liegen auf dem Tisch; was schmeckt alles süß; was liegt links vorne; welche Früchte sind auf der Müsliriegelverpackung abgebildet).

Lass dir ruhig ein paar kniffelige Fragen einfallen.

Wir glauben immer alles zu sehen. In den meisten Fällen haben wir aber nur einen ersten Eindruck bekommen.
Die Vielzahl an optischen Informationen die beim Einkauf auf uns einströmen, können wir nur zu einem Teil erfassen.
Meist ist es der Preis, die Marke, die Farbe oder die Verpackung die für den Kauf ausschlaggebend sind.

Die Aufmerksamkeitsübung könnt ihr auch in zweier Teams durchführen. Dann wird abwechselnd gefragt.

Die Weinliebhaber suchen sich einfach 15 verschiedene Dinge zusammen, die mit Wein zu tun haben (Korken, Weinflaschen, Dropstopper, Bücher, Prospekte, …).
Auch hierzu gibt es unzählige Fragen was beobachtet wurde (welche Jahreszahl ist am Korken aufgedruckt; wie hoch ist der Alkoholgehalt des Grünen Veltliners).

 

Übung 6: Milch ist nicht gleich Milch

mit dem heutigen Geschmackstraining möchte ich euch einen Produktvergleich anbieten.

Kuhmilch gibt es im Lebensmittelhandel unter anderem als frische Vollmilch, Vollmilch länger frisch, Haltbarmilch, aber auch mit reduziertem Fettgehalt und lactosefrei. Doch wie groß sind die geschmacklichen Unterschiede der jeweiligen Milch. Versucht es herauszuschmecken.

Ihr braucht dazu verschiedene Milchsorten (z.B. Vollmilch, länger frisch Vollmilch, haltbare Vollmilch, lactosefreie Milch).
Alle Produkte sollen für die Verkostung die gleiche Temperatur haben (am besten Zimmertemperatur).
Lasst euch die Gläser Milch von jemand anderen einschenken, sodass ihr ganz unbeeinflusst die Milch verkosten könnt.

Nun beurteilt die Milchproben ganz nach eurer persönlichen Präferenz.
Riecht intensiv daran, schmeckt die Süße und achtet auch auf das Mundgefühl.
Zwischen den einzelnen Gläsern könnt ihr zur Neutralisation immer einen Schluck Wasser trinken.
Legt dann fest, welche Milch in welchem Glas sein könnte und welche euch am besten schmeckt.

Es ist euch sicher aufgefallen, dass lactosefreie Milch süßer schmeckt.
Bei der Herstellung wird der Milchzucker (Laktose) in die beiden Einfachzucker Glukose und Galaktose aufgespalten, die süßer als Laktose schmecken.
Auch laktoseintolerante Menschen können nun ohne Beschwerden Milch trinken.

Falls ihr keine Milch mögt, könnt ihr für die Übung auch Joghurt mit unterschiedlichem Fettgehalt nehmen.

 

Übung 7: Langsamer Genuss mit allen Sinnen

Heute gibt es eine genussvolle Übung mit Schokolade (da findet sich doch sicher noch ein Schokohase).
Das Gute dabei – auch das ist ein Geschmackstraining.

Beim Essen und Trinken sind alle unsere Sinne beteiligt – sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken.
Versucht nun ein Stück Schokolade ganz langsam und aufmerksam zu genießen. Lasst euch wirklich Zeit.

Nehmt das Stück in die Hand. Betrachtet es von allen Seiten – Farbe, Form, Größe, Struktur.
Dann riecht daran – schnüffelt ruhig. Läuft euch schon das Wasser im Mund zusammen?

Brecht das Stück auseinander, achtet auf das Geräusch und riecht nochmals. Ist der Geruch nun intensiver?
Nun beißt ab, hört dabei zu und lasst die Schokolade ganz langsam auf der Zunge schmelzen. Wie fühlt es sich an?
Durch die Wärme verändert sich die Konsistenz – es wird weicher, cremiger oder auch ganz leicht sandig.

Jetzt achte auf den Geschmack – die Süße, vielleicht auch was Bitteres oder Säuerliches.
Das Aroma verstärkt sich – vielleicht milchig, buttrig, nach Kakao, Malz oder Vanille.
Ganz langsam nimmt der Schmelz ab, der Geschmack und die Aromen klingen noch lange nach.

Alle unsere Sinne sind beim Essen und Trinken gemeinsam im Einsatz – so zu sagen Teamplayer.
Je langsamer und aufmerksamer wir unsere Speisen genießen, desto mehr können wir die vielen Einzelheiten herausschmecken.
Deshalb lieber langsamer genießen statt oberflächlich konsumieren.

Die Weinliebhaber können selbstverständlich ein Glas Wein mit allen Sinnen zelebrieren und die vielen Nuancen entdecken. Startet die Übung mit dem Öffnen der Flasche. Das erhöht die Vorfreude.

Die wahren, geduldigen Genießer können es so wie Isabella Allende versuchen – siehe pdf.

 

Übung 8: Fühlen wie es riecht

mit dem heutigen Geschmackstraining wollen wir uns dem Geruchssinn widmen – dem „Sinn ohne Worte“.
Wie fein ist dein Geruchssinn? Kannst du Gerüche erkennen oder ergeht es dir so wie mir.
Ich rieche etwas, denke mir, dass kenne ich – aber es will mir einfach nicht einfallen, was es ist – es liegt mir auf der Zungenspitze.

Ihr braucht für die Übung verschiedene Riechstoffe – Gewürze, Kräuter, Obst, Gemüse, Olivenöl, Käse, ….
Lass dir die Augen verbinden und von deinem Partner die Riechstoffe vorsichtig unter die Nase halten.

Zuerst schnüffle nur ganz vorsichtig. Achte auf dein Gefühl – ist der Geruch für dich angenehm oder unangenehm.
Wie intensiv ist der Geruch – ist er dezent oder dominant.

Nun versuche den Geruch mit deinen Worten zu beschreiben – z.B. fruchtig, frisch, gemüsig, würzig, erdig, ….
An was erinnert dich der Geruch – an eine Speise, den letzten Urlaub, Ferien bei Oma, ….
Erst dann sage den Namen des Geruchs, den du erkannt hast.

Jeder Geruch löst eine emotionale Reaktion aus (ein Gefühl), die mit einer Erinnerung verknüpft ist.
Diese Erinnerung gilt es wachzurütteln – denn jeder Geruch hat eine Geschichte zu erzählen.
Durch gezieltes Riechtraining wird das Geruchsgedächtnis stimuliert und trainiert.

Jeder Weinliebhaber kennt sicher die vielen „blumigen“ Weinbeschreibungen. Versucht doch mal selbst Worte zu finden.

 

Übung 9: Die feine Zunge

Heute könnt ihr überprüfen, ob ihr Unterschiede in ähnlichen Produkten erkennen könnt.

Ihr braucht dazu zwei verschiedene Apfelsäfte (kann natürlich auch ein anderer Saft sein), drei Gläser und einen Helfer.
Der Helfer schenkt jetzt ohne euer Wissen in jedes Glas die gleiche Menge Saft ein.
Wobei zwei Gläser jeweils den gleichen Saft enthalten und ein Glas den anderen Saft.
Dann stellt er/sie die Gläser in beliebiger Reihenfolge auf.
Versucht nun die Einzelprobe aus den drei Gläsern herauszuschmecken.
Wenn sich die Säfte durch Farbe oder Trübung unterscheiden, nehmt eine Augenbinde und lasst euch die Gläser der Reihe nach geben.

Unsere Supermarktregale sind voll mit einer unüberschaubaren Vielzahl von Waren. Doch wie verschieden sind die Produkte wirklich? Besteht der Unterschied vielleicht nur in der Verpackung?
Dieser Unterscheidungstest (Dreieckstest) wird in der Lebensmittelindustrie immer wieder zur Erkennung von Produktunterschieden herangezogen. Ebenso werden Sensoriker mit solchen Tests geschult und trainiert.

Die Weinliebhaber können diese Übung folgendermaßen durchführen: nehmt zwei Flaschen Weißwein des gleichen Jahrgangs (z.B. Welschriesling und Grüner Veltliner). Dann schenkt zwei Gläser mit der einen Sorte Wein und das dritte Glas mit der anderen Sorte Wein ein.

Die Bierfreunde  überprüfen ihre Unterscheidungsfähigkeit z.B. mit zwei Sorten Märzenbier.

 

Übung 10: Geräuschen auf der Spur

Es wird mal Zeit auch den Gehörsinn beim Geschmackstraining ganz bewusst in den Vordergrund zu stellen.

Jedes Lebensmittel hat einen charakteristischen Klang. Je nach Konsistenz entstehen verschiedene Töne und Geräusche.
Beim Abbeißen (z.B. knackig), beim Kauen (z.B. knusprig) und beim Schlucken.

Bei der Übung geht es darum, die unterschiedlichen Geräusche wahrzunehmen und bewusst zuzuhören.
Ihr braucht dazu verschiedene Lebensmittel z.B. Apfel, Karotte, Radieschen, Zwieback, Keks, Chips, Mineralwasser, Nüsse, Frankfurter Würste, ….
Ihr könnt diese Übung sehend, aber auch mit verbundenen Augen machen.
Wenn ihr euch zusätzlich die Ohren zuhaltet, werden die Geräusche noch intensiver wahrgenommen.

Bestimmte Lebensmittel wie Äpfel, Gurken, Karotten und Knabbereien schmecken uns normalerweise, wenn sie ein typisch knackiges oder knuspriges Geräusch auslösen.
Das Geräusch lässt Rückschlüsse auf die Frische und auch den Reifegrad von Lebensmitteln zu.
Bei nachlassender Frische entfallen diese gewohnten Geräusche und die Lebensmittel schmecken uns nicht mehr.

Die Weinliebhaber können versuchen allen Geräuschen beim Trinken von Wein zu folgen – das „plopp“ beim Öffnen der Flasche, das Blubbern beim Einschenken, das Schlürfen beim Verkosten, der Genuss beim Schlucken.

Die Bierfreunde – das Zischen beim Öffnen, das Blubbern beim Einschenken, das feine Geräusch beim Aufsteigen der Kohlensäure, der Genuss „ahhhhh“

 

Übung 11: Die falsche Zungenkarte

mit dem heutigen Geschmackstraining will ich euch etwas mehr Wissen zum Geschmackssinn vermitteln.

Vielleicht habt ihr noch genauso wie ich die so genannte Zungenkarte gelernt – vorne schmeckt´s süß, seitlich sauer & salzig und hinten bitter. Das ist falsch.

Mit der folgenden Übung könnt ihr das überprüfen.

Ihr braucht dazu vier verschiedene Geschmackslösungen und Wattestäbchen.G ebt für die süße Lösung einen Zuckerwürfel in 1/8l Wasser und für salzig eine Messerspitze Salz in 1/8l Wasser. Für sauer wird Essig verdünnt oder ihr nehmt Zitronensaft und für bitter Kaffee.

Dann nehmt für die süße Lösung ein Wattestäbchen und taucht das Stäbchen ein. Betupft damit eure Zunge vorne  und achtet ganz genau auf eure Geschmackswahrnehmung. Taucht das Stäbchen neuerlich in die süße Lösung ein und betupft eure Zunge seitlich. Wiederholt es nach nochmaligem Eintauchen auch vorsichtig hinten. In gleicher Weise geht mit der sauren, salzigen und bitteren Lösung vor.

Es gibt keine geschmacksspezifischen Regionen auf der Zunge. Jede unserer Geschmackspapillen kann jede Grundgeschmacksqualität erkennen. D.h. es ist egal, ob ihr z.B. mit dem Wattestäbchen und der süßen Lösung eure Zunge vorne, seitlich oder hinten benetzt haben. Es hat überall süß geschmeckt.
Gleiches gilt für salzig, sauer und bitter. Wobei bitter hinten stärker wahrgenommen wird.

 

Übung 12: Die Prise Salz

mit dem heutigen Geschmackstraining könnt ihr selbst ausprobieren, wie sich der Geschmack von Lebensmitteln und Getränken verändern lässt.

Zwischen den verschiedenen Geschmacksqualitäten (süß, sauer, salzig, bitter) treten durch Kombinationen Wechselwirkungen auf.
Diese verändern den ursprünglichen Geschmackseindruck – es kann zu einer Verstärkung oder Abschwächung kommen.

Folgende Beispiele mit wenig Salz könnt ihr nun selbst ausprobieren.
Ihr braucht dazu einen Salzstreuer, eine Zitrone, ein Radieschen, Grapefruitsaft und gekochten Brokkoli oder Karfiol (ungesalzen)

Im ersten Schritt verkostet ihr das Lebensmittel oder Getränk pur.
Dann kommt eine kleine Prise Salz dazu und wird nochmals verkostet.

Zitronenspalte – das Salz reduziert die Säure und verleiht auch der Zitrone eine Süße

Frisches Radieschen – das Salz mildert die Schärfe und betont das Aroma

Grapefruitsaft – das Salz unterdrückt das Bittere, dadurch tritt die Süße stärker hervor

Gekochter Brokkoli oder Karfiol – auch hier wird durch Salz die Bitterkeit verringert und das Aroma verstärkt

Wechselwirkungen von Geschmacksrichtungen treten immer beim Kombinieren verschiedener Zutaten auf.
Dieses Wissen wird automatisch in der täglichen Küchenpraxis angewendet.
Wie die bekannte Prise Salz, die im Kuchen die Süße leicht anhebt.
Hat man vielleicht mal etwas versalzen, kann man mit etwas Zucker die Salzigkeit etwas verringern (das schauen wir uns aber ein andermal genauer an).

Vielleicht ist das ja auch der Grund warum manche vor dem Tequila trinken Salz lecken, um die Schärfe des Alkohols zu mildern.
Aber mal ehrlich – ein hochwertiger Tequila ist nicht scharf sondern harmonisch und möchte einfach pur getrunken werden.

 

Übung 13: Süß & Sauer – Süß & Bitter

Beim letzten Geschmackstraining habt ihr selbst ausprobieren können, wie sich der Geschmack von Lebensmitteln und Getränken durch Salz verändern lässt. Heute verändern wir Saures und Bitterkeit durch Süße.

Bei den Geschmackskombinationen Süß & Sauer und Süß & Bitter treten ebenso Wechselwirkungen auf, die Veränderungen hervorrufen.

Wechselwirkung Süß & Sauer

Löst 5 Stück Zuckerwürfel in 1/4l Leitungswasser auf. Dann verkostet die Zuckerlösung.
Anschließend gebt zwei Esslöffel Zitronensaft dazu und verkostet neuerlich.
Durch die Säure wird die Süße abgeschwächt und schmeckt weniger süß.

Die Säure von Rhabarber und Ribisel könnt ihr z.B. durch Zugabe von süßen Erdbeeren ausbalancieren.

Wechselwirkung Süß & Bitter

Bereitet euch eine Tasse schwarzen oder grünen Tee (ihr könnt auch Kaffee nehmen). Gebt nun einen Teelöffel Zucker dazu und nehmt einen Schluck des gesüßten Tees.
Die Bitterkeit wird, wie ihr sicher wisst, auch hier durch den Zucker gemildert. Probiert es dennoch aus und verkostet ganz bewusst den Unterschied.

Wenn euch Rucola und Radicchio zu bitter sind, mischt diese Salate mit Balsamico oder einer Honig-Vinaigrette.

Info für die Weinliebhaber – in säurebetonten Weinen kann durch einen gezielten Restzuckergehalt eine Balance zwischen den Säuren und der Süße entstehen. Wodurch der Wein weicher und milder wird.

 

Übung 14: Riechspaziergang

mit dem heutigen und vorerst letzten Geschmackstraining lade ich euch zu einem Nasentraining ein.
Und ab nächster Woche geht es wieder mit den GenussSeminaren los – Details dazu im nächsten Newsletter.

 

Mit dieser Übung könnt ihr eure Wohnung, ein Wohnviertel, einen Park oder jede beliebige Gegend neu kennen lernen – und zwar mit der Nase.
Gerade jetzt im Frühling, wo alles blüht und sprießt gibt es viel zu erschnüffeln.

Nehmt euch ca. 1 Stunde Zeit und machten einen Riechspaziergang.
Es geht ums Entdecken von angenehmen (aber auch unangenehmen) Gerüchen.
Steckt wirklich eure Nase überall rein. Ihr werdet überrascht sein wie viel es zu erschnüffeln gibt.

Jedes Zimmer, jeder Platz, jede Straße hat seinen eigenen Geruch.
Wie riecht das Badezimmer, der Dachboden oder der Keller. Vergleicht. Wo fühlt ihr euch am wohlsten.
Wie riecht der Weg zur Arbeit oder zum Einkauf – riecht es nach Bäumen, nach frischem Brot, nach Autoverkehr oder gar nach Müll.
Am Balkon, im Garten, im Wald – geht einfach mit offener Nase hinaus.

Mit dem täglichen Nasentraining kann man sein Riechvermögen verbessern und täglich neue Gerüche kennenlernen.
Bekannte Gerüche können Erinnerungen und Gefühle hervorrufen.

Die Weinliebhaber können jetzt in der Natur einen der vielen typischen Düfte des Sauvignon blanc entdecken – der Holunder blüht.

 


Vielen Dank!
Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht!
Und ihr konntet eure Sinne für Geschmack und Genuss schärfen 🙂

 

 

 

Vielen Dank an Romana Fertl!

Quelle: Opensense, Kritzendorf

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